Warum ich mich auf den Caminho machte?

Schon lange bevor das Buch "Ich bin dann mal weg" von Harpe Kerkeling raus kam, habe ich den Camino auf meine Bucket-List geschrieben. Viele Jahre hab ich diesen Wunsch jedoch verdrängt! Vielleicht auch, weil ich Angst hatte diesen Weg alleine zu gehen!

Im 2017 war es dann soweit! Privat und beruflich lief es gerade nicht so rosig und ich spürte eine innere Leere in mir. Als Coach war mir schnell bewusst, dass ich JETZT etwas unternehmen muss und ich einfach mal Zeit für mich und meine Gedanken abzwacken will, um mir für meine zukünftigen Schritte wieder Klarheit zu schaffen. Da ich sehr an meiner Familie hänge und ich auch gegenüber meinen Kunden eine Verantwortung eingegangen bin, konnte ich nicht zu lange einplanen. Also eine kleine Auszeit für mich nehmen.

#Auszeit? Da fiel mir meine Bucket-Liste in die Finger und da hat's Klick gemacht. Der Camino de Santiago sollte es sein! Nein, nicht aus religiösen Gründen. Die Idee des Pilgern fasziniert mich einfach! Für eine bestimmte Zeit nur mit einem kleinem Bündel auf dem Rücken, ohne die alltäglichen Themen und mit einfachsten Mittel unterwegs sein. Menschen kennenlernen ohne Zwang, aus verschiedenen Ländern, verschiedene Sprachen und Kulturen. Alle mit dem gleichen Endziel und zur Anerkennung erhältst Du am Schluss noch deine offizielle Pilgerurkunde.

Ja aber ich hatte keine 3 Monate zur Verfügung! Also machte ich mir genau zu diesem Thema (Kurz-Auszeit) gedanken.

Die Auszeit sollte.....

... in 2-3 Wochen das maximum an Eigenzeit bringen,
... eine Zeit ohne Ablenkungen sein,
... ohne Partner, Freunde oder Kollegen,
... möglichst mit wenig Geld durchführbar sein,
... einfach ohne grossen Luxus zu machen sein.

Der Computer wurde gestartet und ich habe mir alles über den Camino de Santiago reingezogen. Schnell war mir bewusst, dass ich den Hauptweg (Camino Frances) nicht machen möchte. Zum Glück gibt es ja sehr viele verschiedene Wege! Bei zweien blieb ich immer wieder hängen. Der eine, der Camino Primitivo und der andere, der Caminho Portuguese sind zwei völlig verschiedene Wege welche in der vorgegebenen Zeit machbar sind. Da es mich aber auch ans Meer zog und ich noch nie Portugal erlebt habe, war die Entscheidung für mich dann klar. Der Caminho Portuguese sollte es sein. Das brachte mich wieder auf eine neue Herausforderung! Welche Route der 2 Hauptrouten - Es gibt die "Centrale Route oder die Coastal Route" - sollte es denn sein? Da beide ihre Reize haben, habe ich mich für die von Christoph beschriebene Route entschieden. Diese Route startet am Meer und geht dann ab dem 2, Tag auf die Centrale Route weiter.

Jetzt oder nie!

Schnell habe ich geprüft, ob ich alles was so eine Reise an Gepäck benötigt auch habe. Rucksack, Schuhe, Kleider, Schlafsack und noch vieles anderes. Da ich nicht noch viel Geld ausgeben wollte, entschied ich mich auf den Schlafsack zu verzichten und bei den Schuhen auf mein geliebten "Salomon Speedcross 3" zurück zu greifen. Ich habe mich auch da vor allem an die Packliste von Christoph gehalten mit ein paar zusätzlichen Einsparungen. Ich wollte unter 8kg auf dem Rücken reisen. Schliesslich war ich ja nicht so fit und hatte nicht vor, noch lange dafür zu trainieren. Ich wollte einfach nur gehen! Denn, wenn ich zu lange plane werde ich auch diese Chance, einen Punkt auf meiner Bucket-Liste zu erledigen, nicht machen. 

Jeder kann diesen Weg gehen, es braucht eine klare Entscheidung und ja, vielleicht auch etwas Mut um den Weg nur für sich zu gehen! Wenn Du 2 Wochen Zeit hast, dann mach es!

 

3 Wochen von der Idee zur Umsetzung!

Wie gesagt, wenn ich mir mal eine Idee eingepflanzt habe, dann geht es schnell! Ich startete mit einem sehr freudigen aber auch etwas mulmigenn Gefühl auf meine Reise!

Habe ich alles dabei? Werde ich alleine sein oder treffe ich auch andere Menschen? Wie finde ich den Weg vom Flughafen Porto zur Kathedrale, wo ich meinen Pilgerpass bekomme? Der ist unabdingbar, wenn man in den öffentlichen Pilgerherbergen nächtigen möchte. Wo werde ich die erste Nacht übernachten? Verstehen die Portugiesen deutsch oder englisch?  Finde ich den Weg? Ich habe nur die Camino-Beschreibungen von Christoph dabei und weiss, dass ich den gelben Pfeilen folgen muss! Und wieso habe ich eigentlich meinen alten schweren Schlafsack nicht dabei!!! Ich hoffe einfach, dass in den Herbergen Decken zu Verfügung stehen.

Genau so bin ich am 7. Juni 2017 gestartet!

Wer jetzt jedoch eine Etappenbeschreibung oder viele Fotos erwartet, den werde ich entäuschen. Fotos und Beschreibungen des Weges findet man in zig-facher Vielfältigkeit bereits auf verschiedenen Blog's. Jedoch empfehle ich sehr starkt die Seite von Christoph.

Meine kleine Zusammenfassung von meinem Weg

Auch wenn dieser Weg als Anfängerweg bezeichnet wird - er ist es nicht.

Die Wege sind wohl eher flach und ausdauermässig nicht extrem anspruchsvoll. Jedoch war ich es einfach nicht gewohnt auf diesen Pflastersteinen zu gehen. Die Hitze im Juni ist schon extrem (bis 38° Celsius) und wenn's mal kurz regnet, dann ist das nur eine kleine Erfrischung, denn nach dem Regen kommt die Sonne und dann kommt von oben die Hitze und von unten die Feuchtigkeit. Eine nicht so gute Mischung. Die Wege bieten alles von Wunderschön bis grotten hässlich.

Das alles spielt aber gar keine Rolle. Der Weg hat für mich das Leben wiederspiegelt. Auf und Ab, Hoch und Tief, Lust und Frust, Kennenlernen und Trennen, Freud und Leid - Man begegnet allem und lernt den Spruch "Der Weg ist das Ziel zu verstehen - Heute weiss ich, dass 2 Wochen genügen um eine wertvolle Auszeit zu haben! 

Wow.... diese Erkenntnis ist Gold wert!

 

Klar ist das Ziel "Santiago de Compostela", aber der Weg macht es aus. Wenn man diese kurze Zeit nur für sich beschenkt bekommt, dann öffnen sich auf dem Weg so viele Türen, welche einem die nächsten Schritte automatisch vorgeben. Man durchläuft alle möglichen Gefühlswelten, lernt unheimlich viele Menschen kennen - und das nicht nur mit Hallo sagen. Es ergeben sich tiefe, persönliche Gespräche, welche einem so viel bringen. Gespräche welche sich ansonsten nur in einer Partnerschaft ergeben. Das macht die Anonymität der schnellen Begegnungen aus. Ich habe immer darauf geschaut, dass ich nicht immer in der selben Gruppe lief. Mal wollte ich alleine laufen und dann wieder neue Gesichter kennenlernen. Es ist so einfach. Meistens aber trifft man die gewohnten Gesichter wieder am Ende des Tages in der Pilgerherberge. Was ich jedoch empfehlen kann: "Wenn ihr euren Fragen nachgehen wollt, dann lasst Partner, Freunde oder Kollegen zu Hause!"

Ich hatte wohl das Glück, dass ich ohne Wegführer, ohne Schlafsack und einfach drauf los gegangen bin. Naiv schnell eine Homepage anschauen, Packliste kopieren, die Etappen schnell rausschreiben und los gehts!

Was ich eigentlich allen genau so empfehle! Ok, ein sehr leichter Hüttenschlafsack macht Sinn. Es gibt doch tatsächlich Herbergen (erst ab Spanien) ohne Decken. Aber auch dafür findet mann schnell eine Lösung.

Ich habe so viele gute, ehrlich und liebe Menschen getroffen und ich möchte keine Begegnung missen. Sie alle haben mir geholfen meinen eigenen Weg zu finden. Da spielt das Alter auch gar keine Rolle. Alle sind auf dem gleichen Weg. Die einen Challengemässig (viele Kilometer schnellstmöglich hinter sich bringen) und die Anderen, welche eine Antwort auf ihr Thema suchend warten und sich trotzdem unter Gruppenzwang setzen und an den Antworten vorbei gehen .

Wenn man sich in der zweiten Gruppen findet, dann sollte man sich lösen von Gruppenzwang (ja auch wenn man mit Partner unterwegs ist). Bedenke immer, es ist dein eigener Weg und die Antworten liegen auf dem Weg. Aber man muss erst lernen diese zu achten. Dies hat bei mir 3 Ettapen gebraucht. Danach war ich auf meinem eigenen Weg.

 

Ich habe meine Antworten gefunden und fühle mich echt gut.

Wir sprechen alle immer vom Hamsterrad, und es gibt solche, welche sagen das Sie nicht darin sind. Aber liebe Leute, wir alle sind Teil des Hamsterrades und können nur für kurze Zeit aus diesem ausbrechen (zbsp. Camino Portugues). Ich habe Menschen getroffen die Investoren, Unternehmer, Studenten, Selbständige oder Arbeitnehmer sind aus allen Schichten und alle haben mir dies bestätigt.

Das wunderbare auf diesem Weg ist, dass alle gleich sind. Es gibt kein Arm oder Reich, kein besser oder schlechter und schon gar nicht muss man sich ängstigen diesen Weg alleine ohne gewohnte Menschen zu gehen.

Ich möchte alle, die am Camino interessiert sind, bestärken diese Erfahrung zu machen und sich auf den Weg zu machen. Diese Erkenntnis hatte ich in Redondela als ich ein Verkehrsschild sah mit der Aufschrift "Kilometer 0". Gerne begleite ich Dich auch als Coach!

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